Auch Du bist
geisteskrank – und brauchst natürlich Therapie!
EU-Forschungsprojekt PRONIA
7. April 2019 |
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Das
Ärzteblatt findet es ganz großartig: Ein
internationales Forschungsteam entwickelt ein telemedizinisches
Diagnose-Tool, mit dem sich psychotische Erkrankungen frühzeitig
erkennen lassen sollen. Da gibt es ein EU-Forschungsprojekt und ein
internationales Forschungsteam unter der Leitung eines Privatdozenten
Dr. med. Nikolas Koutsouleris, der an der LMU
(Ludwig-Maximilian-Universität) wirkt. Und dieses Forschungsteam
entwickelt ein „telemedizinisches Diagnosetool“, mit dem die
Mediziner dann ganz früh Psychosen erkennen können – und auch
natürlich schon im Vorfeld gezielt behandeln. Der Grund: Viele
Patienten gehen erst Jahre später, nachdem die ersten
Anzeichen einer Psychose aufgetreten sind, zu einem Psychologen oder
Psychiater. Das, so das Ärzteblatt, sei sehr schlecht, denn die
therapeutische Beeinflussbarkeit psychotischer Erkrankungen sei
wesentlich schlechter, wenn diese erst spät entdeckt werden. Dann
könne die Erkrankung chronisch werden.
Deshalb habe die EU sechs
Millionen Euro dafür bereitgestellt, um das Projekt PRIONA zu
fördern. PRIONA ist das Kürzel für „Personalised Prognostic
Tools for Early Psychosis Management“. Man kann mehr darüber lesen
auf der Webseite
www.priona.eu.
Es soll mit dem brandneuen Diagnosetool möglich sein,
den Ausbruch einer psychotischen Krankheit mit 90 % Genauigkeit
vorhersagen zu können. Die „herkömmlichen Verfahren“ liegen
dagegen bei 40%.
Du weißt
nichts von einer Psychose, kein anderer hat was bemerkt, aber die
Maschine weiß es schon?
Das Ärzteblatt schreibt
dazu:
„Das erste Ziel des Projekts ist es, ein klinisch
anwendbares Verfahren zur Vorhersage von psychotischen Erkrankungen
bei Personen mit bestehenden Risikosymptomen, aber ohne Vollbild der
Erkrankung, zu entwickeln. Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung
eines Tools zur Vorhersage von ungünstigen klinischen Verläufen,
wie etwa der funktionellen Beeinträchtigung bei Hochrisiko-Personen
sowie ersterkrankten Patienten mit Psychosen und Depressionen“,
erläuterte Koutsouleris. Darüber hinaus ziele das Projekt darauf
ab, diagnostische Tools zur Unterscheidung von psychotischen und
affektiven Störungen wie Depression im Ersterkrankungsstadium zu
validieren.“
Des Menschen Charakter ist
vielfältig, mancher ist auch exzentrisch. Es gibt Leute, für die
das Glas immer halb leer ist, was für andere halbvoll ist. Es gibt
Zeiten, in denen man mit Wut im Bauch herumläuft, weil man einen
Chef (männlich, weiblich oder divers) hat, der einem das Leben
schwer macht. Es gibt Zeiten, in denen man verliebt ist und alles
rosarot sieht. Es gibt Miesepeter und entnervend fröhliche und
zutrauliche Leute. Mancher hat eine oder mehrere Schrauben locker. So
ist das nun mal.
Das Problem bei der
Wahrscheinlichkeit eines solchen Diagnosetools ist, dass man
Charakterzüge oder momentane, vielleicht sogar extreme emotionale
Befindlichkeiten von Menschen einfach als solche sehen kann, oder
darin eine beginnende Psychose erblickt. Es gibt im Prinzip kaum ein
echtes Hindernis, einen Menschen mit Psychosen zu diagnostizieren,
insbesondere, wenn das Diagnosetool angeblich eine Psychose
identifiziert, noch bevor der Betreffende, die Umgebung oder ein Arzt
davon weiß. Man bekommt da ein sehr seltsames Gefühl in der
Magengegend.

Zumal das
Diagnosetool auch noch auf selbstlernenden Algorithmen basiert
„Es kombiniert Daten aus
neuropsychologischen und -kognitiven Tests mit bildgebenden
Verfahren, genetischen Untersuchungen und Interviews. So wurden in
Bildgebungsstudien etwa mit Magnetresonanztomographie signifikante
Hirnveränderungen bei Patienten mit einer Psychose beobachtet. „Bei
psychotischen Patienten konnten Veränderungen der Hirnstruktur, der
Hirnaktivität, der Verbindungen zwischen Neuronen sowie
Veränderungen von Botenstoffen wie Dopamin im Gehirn nachgewiesen
werden“, erläuterte Dr. med. Lana Kambeitz-Ilankovic,
Neuropsychologin im Projekt PRONIA. Dabei seien eine Vielzahl von
Hirnregionen betroffen.
Nach Untersuchungen der
Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie,
Psychosomatik und Nervenheilkunde erkrankt etwa jeder dritte
Erwachsene im Laufe seines Lebens an einer psychischen Störung. Etwa
30 Prozent der Erkrankungen nehmen einen chronischen Verlauf. Neben
dem individuellen Leid der Betroffenen haben neuropsychiatrische
Erkrankungen auch eine volkswirtschaftliche Dimension.“
Sind wir nicht
alle ein bißchen Bluna?
Die „Volkswirtschaftliche
Dimension“ ist nett ausgedrückt. Reden wir doch Klartext: Wenn
jeder Dritte mit einer Psychose diagnostiziert werden kann, dann
rollt der Rubel. Da sind Sitzungen ohne Ende fällig, Dopamin- oder
Serotoninhemmer, angstlösende Medikamente und Beruhigungsmittel,
Schlaftabletten und Sedative, vielleicht auch noch eine
Medikamentenabhängigkeit und/oder eine Einweisung in entsprechende
Kliniken.
MRT-Ergebnisse sollen nämlich
genau das offenbaren: „Bei psychotischen Patienten konnten
Veränderungen der Hirnstruktur, der Hirnaktivität, der Verbindungen
zwischen Neuronen sowie Veränderungen von Botenstoffen wie Dopamin
im Gehirn nachgewiesen werden.“ Das Problem hierbei ist
nur, dass diese Medikamente, die Dopamin oder Serotonin im Gehirn
hemmen oder bereitstellen, das Gehirn nachweislich physisch auch
verändern und meistens die Probleme auf Dauer deutlich vergrößern.
Bekommt das Gehirn Dopamin-Hemmer geliefert, wirkt das kurzfristig.
Dann produziert das Gehirn aber deutlich mehr Dopamin und die
dazugehörigen Rezeptoren, um seinen gefühlten Mangel auszugleichen,
was dann zu denselben Symptomen, wie vorher führt. Auch umgekehrt
führt Dopaminzufuhr zu einer Reduzierung der Rezeptoren im Gehirn,
was ebenfalls den alten Zustand wiederherstellt.
Wenn also das Ärzteblatt das
Thema Schizophrenie anführt, bei dem sich die „indirekten Kosten“
(was immer das auch sei) auf jährlich rund 150 Millionen Euro
belaufen und das Ärzteblatt davon ausgeht, dass sich diese Kosten
durch PRIONA langfristig senken lassen, ist das wenig überzeugend.
Da soll der Apparat computergestützt für jeden Patienten den
optimalen Diagnosepfad ausrechnen und das ist dann gleich die
Grundlage für die Therapie. Wenn diese Apparatur allerdings,
da ja sehr früh schon in der Lage, Psychosen zu erkennen, mit
ziemlicher Sicherheit dann tatsächlich bei jedem Dritten schon diese
Psychosen – und darunter natürlich auch Schizophrenie – erkennt,
dann werden ganz sicher keine Kosten gesenkt, sondern jede Menge neue
Kosten generiert. Und wenn 10 Prozent (bei 90prozentiger Genauigkeit)
falsch diagnostiziert werden, bedeutet das, dass 100 von 1000 Leuten,
die sich an den Apparat setzen mit Psychopharmaka oder Therapien
traktiert und vielleicht abhängig gemacht werden, die eigentlich
gesund sind.
Anders, als bei den bekannten
40% Fehldiagnosen durch menschliche Diagnostiker, die bekannt sind
und daher noch wesentlich mehr Raum für eine Revision der Diagnose
oder eine andere ärztliche Meinung lassen, ist die „Sichere
Diagnose“ von PRIONA dazu angetan, die Maschinendiagnose als quasi
unfehlbar zu akzeptieren und der Patient hat keine Chance mehr.

Psychiatrisierung
von Unbequemen voraus? Die Aufsässigkeits-Trotz-Störung
Wer es noch nicht weiß: Es
gibt eine neue psychiatrische Diagnose für Systemkritiker oder
unbequeme Menschen, mit dem schönen Namen
„Aufsässigkeits-Trotz-Störung gegenüber Autoritäten. Auch die
kann sehr gut diagnostiziert werden und erfasst im Prinzip jeden, der
dem gegenwärtigen politischen System kritisch gegenübersteht und
nicht kuscht. Diese Diagnose kann beispielsweise auch dazu führen,
dass man – durchaus unfreiwillig – einer Medikamentierung und
Therapie unterzogen wird. Die Webseite „
Gehirnwäsche“
listet hierzu auf:
Jährlich
werden in der BRD 200.000 Menschen unter Zwang in die
Psychiatrie eingeliefert.
Im Mai
2013 kam der überarbeitete DSM-5 Katalog für psychische Störungen
heraus (“Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders”).
Das DSM dient als Leitfaden für die Diagnostik, wer und was gesund
bzw. psychisch krank ist.
Als
neue Diagnose ist aufgenommen: “Aufsässigkeits-Trotz-Störung
gegenüber Autoritäten“
Das
ist eine hervorragende Waffe zur Ausgrenzung von Selbst- und
Querdenkern. Also, alle Einschätzungen, die von den täglich uns
eingehämmerten Mainstream-Glaubenssätzen zu Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft abweichen, können damit als psychische
Störung klassifiziert werden. Und sind somit behandlungsbedürftig.
Allen Frances ist einer
der Mitautoren dieses Katalogs für psychische Störungen (DSM), der
in der westlichen Welt als Standard zur Bestimmung von psychischen
Störungen gilt. Frances gehört zu den Erfindern von psychischen
Krankheiten, an denen heute fast 80% der amerikanischen Bevölkerung
„leidet“. In seinem Buch „Normal“ beichtet der Professor für
Psychiatrie, wie seine Arbeit aus gesunden Menschen psychische
Kranke macht. Der ehemalige Miterfinder der neuen psychischen
Krankheiten rechnet mit seiner Zunft ab und prangert sie an,
Seelenzustände als Krankheiten zu definieren. So würde
mittlerweile „Schüchternheit“ als „soziale Phobie“
betrachtet. Einer Studie zufolge erfüllen schon mehr als 80% der
jungen Erwachsenen die Kriterien für eine psychische Störung.
Wundervolle Aussichten, nicht
wahr? Und wir dürfen mit Sicherheit davon ausgehen, dass PRIONA
diese Störung auch diagnostizieren kann und soll. Das ist uns doch
alles als gruselige Scheußlichkeit einer gnadenlosen Diktatur in der
Sowjetunion und in der DDR und als Beleg dieser menschenverachtenden
Systeme mit den schwärzesten Farben in der Schule geschildert
worden.

PRIONA macht
nur Sinn als „Vorsorgeuntersuchung“
Dem aufmerksamen Zeitgenossen
steht ein Fragezeichen über dem Kopf. WENN das tolle Diagnose-Tool
PRIONA Psychosen weit im Vorfeld erkennen und diagnostizieren kann
und soll, dann macht der Apparat ja nur Sinn, wenn die Menschen von
PRIONA auch weit im Vorfeld diagnostiziert werden KÖNNEN. Das heißt,
man wird hier auf Vorsorgeuntersuchungen drängen und zwar bei allen
Bürgern, denn sonst bringt der ganze Zauber nichts. Absehbarer Weise
werden sich die Leute aber nicht drängeln, dahin zu gehen, Das
bedeutet, es könnte quasi zur Pflicht gemacht werden. Vielleicht als
Vorstufe noch der Hausarzt dazwischengeschaltet, der eine solche
Voruntersuchung „vorschlägt“, die dann doch verpflichtend wird.
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