Ruhigstellung…
Selbstversuch 163- vorletzter,
freiwilliger Versuch.
Es ist Abend und vor
den kleinen Fenstern der Dachkammern des Hauses von Opa Herrmann in
Kleinzerbst ist es Dunkel. Gleich hinter der dünnen Verkleidung des
Daches plätschert der Regen und es gurgelt durch das Fallrohr, eine
leicht mystische Stimmung mischt sich mit einem freudigen Gefühl
innerer Zufriedenheit.
Vor mir steht das
fertig gemalte Bild von Agilulf und Gurdulu, einer neu entwickelten
Stilistik in Form und Farbe. Kubische Formen und geometrische Flächen
in einer mathematischen Komposition haben sich endlich zu einem Bild
zusammen gefügt. 3 Jahre benötigte ich für diese naive, strenge
Komposition. Eine Naive, welche ich Manchesmal belächelt hatte und
nun endlich verstand.
Ein ganzer Erfolg!
Neben mir auf meine
kleinen Tischchen liegt eine Leponex, 50 Milligramm und ich gedenke
zum 163 Mal einen Selbstversuch zu starten, Seit zwei Jahren probiere
ich die verschiedensten Neuroleptika um deren Wirkung zu studieren.
Heute ist die
Ruhigstellung in Erprobung.
Ich schlucke also
die Pille und harre der Erwartungen und gedenke der Worte einer
Psychiaterin Namens, Lantsch aus Lutherstadt Wittenberg.
Zitat: „Sehen sie,
sehen sie, Herr Merbach, wie schön ruhig ihre Frau nun ist, wie sie
schläft.“
Nach etwa 15 Minuten
der Einnahme breitet sich ein inneres Unwohlsein aus, eine noch nie
gespürte Beklemmung in der Magengegend, welche etwa der einer
kommenden Gefahr entsprechen.
Ich werde innerlich
unruhig und laufe in den zwei kleinen Zimmern hin und her. Die Unruhe
steigert sich nach etwa 10 Minuten und es erscheinen Angstzustände.
Wovor habe ich
Angst? Ich verstehe es nicht? Um meinen Brustkorb entsteht ein
seltsames, dumpfes und dunkles Gefühl, die Angst steigert sich und
ich bekomme leichte Gleichgewichtsstörungen.
Ein Schwindelgefühl
mahnt mich hin zu setzen, ich glaube zu stürzen und lege mich
vorsichtshalber in mein Bett.
Das Licht hatte ich
ausgeschalten und wollte Schlafen, um mich zu erholen.
Schlafen konnte ich
nicht, das Bett drehte sich, mir wurde speiübel und die Angst
steigerte sich, potenzierte bis in eine Panik.
Ich stand auf,
wankte wie ein Volltrunkener zum Lichtschalter, ich wollte Licht,
denn in der Dunkelheit war es nun unheimlich und unbekannte Mächte
schienen mich nieder zu zwingen, schoben mich in riesige Höhen oder
stürzten mich in dumpfe, lichtlose Tiefen.
Mit zitternden
Beinen erreichte ich den Lichtschalter, kalter Schweiß perlte an
meiner Stirn und mit letzter Kraft spürte ich endlich den
Lichtschalter.
Es war mir jedoch
nicht möglich, diesen zu betätigen. Eine schreckliche Macht stieß
mich in Angst und Panik, ich brach zusammen, ich glaubte zu sterben
und verlor das Bewusstsein.
Etwas rüttelte
mich, durch einen grauen, undurchsichtigen Schleier vernahm ich weit
entfernt die Stimme meines Hausarztes, Dr. Weiße. „Karl-Heinz!
Karl-Heinz! Was ist passiert? „
Zu meinem Schrecken
war ich blind und versuchte in Panik zu antworten. Es ging nicht,
meine Zunge schien gelähmt und die Atmung ging sehr schwer. Ich
versuchte das Wort Leponex zu formulieren. Etwa 10 Mal stammelte ich
das L, bevor die anderen Buchstaben stammelnd hervorkamen.
Weshalb der Arzt
hier war und mitten in der Nacht, weshalb ich blind und unter
Todesangst im Bett lag, war mir nicht recht bewusst, ich konnte mich
nur erinnern, ich hatte eine Leponex eingenommen um zu erfahren, wie
eine Ruhigstellung funktioniert.
Nachdem der Hausarzt
begriffen hatte, was mit mir los war, beruhigte er meine Frau und
meinte:
„Der Karl-Heinz
schläft nun ein Weilchen und wird bald wieder wach werden, keine
Angst Annettchen, er schläft nur“
Ich versank wieder
in einen tödlichen Zustand, welchen die Psychiater, Richter,
Betreuungsbehörden, Betreuer, Bekannte und Verwandte als
Ruhigstellung bezeichnen, eine allgemeine, umgangsmäßige
Bezeichnung für eine sadistische Folterung zum Zwecke der
Disziplinierung.
Genau dies ist der
wahre Hintergrund einer Behandlung mit Neuroleptika, Disziplinierung
durch Folter und Gewalt, einer Gewalt, welche bestialischer als
brutale Schläge für Unterordnung und Disziplinierung sorgen sollen.
Im Knastjargon nennt
man diese Spritzen „BETONSPRITZEN“!
Meine Frau erlebte
diese Ruhigstellungen hunderte Male und ist heute schwer geschädigt,
kann weder ihren Stuhlgang kontrollieren, noch sich ernähren, ist
ein schwerer Pflegefall und die Justiz
In Form einer
Betreuungsrichterin meint:
„ Es gäbe A
typische Neuroleptika, welche nicht so intensiv wirken würden:“
Mir ist jedoch
bekannt, dass so mancher Patient daran verstorben ist.
Alle Befürworter
derartiger Medikationen, sollten verpflichtet werden, derartige
Medikamente ein zu nehmen. Sie sollten lernen, was sie empfehlen,
verordnen oder richterlich beschließen.
Die Arroganz der
Macht wird dies jedoch niemals tätigen, schließlich wollen sie
weiterhin von Ruhigstellung und Humanität faseln, den Humanoiden
heraushängen lassen und Mütterlich eine Behandlung empfehlen.
