Sonntag, 14. September 2014

Demo auf der Psychiatrie Gießen
die nächste Demonstration auf dem Gelände der Psychiatrie mit besonderem Augenmerk auf die Zwangsanstalten dort (geschlossene Psychiatrien) steht bevor – am Samstag, den 20.9. Hier meine Presseinfo von heute dazu:
Sechster Protestgang gegen Zwangspsychiatrie in Gießen
Erneut rufen Gegner_innen der Zwangsbehandlung in psychiatrischen Kliniken zu einem Protestgang auf. Das sechste Mal soll es über das Gelände der Vitosklinik in Gießen gehen. Treffpunkt ist am Samstag, den 20.9.2014 um 16 Uhr die Einfahrt zur Vitosklinik in der Licher Straße 106 (stadteinwärts neben der Autobahnauffahrt). „Wir wollen das Ende jeder Zwangsbehandlungen – aber wir kritisieren auch die konkreten Übergriffe und Rechtsbrüche, die in den Gießener Kliniken und anderswo an der Tagesordnung sind“, schildert Demoanmelder Jörg Bergstedt die Ziele des Umzugs. „Die Menschen dort sind ihren selbsternannten Betreuer_innen schutzlos ausgeliefert – und die Gesellschaft guckt weg.“
Erneut gab es Informationen aus dem Inneren der geschlossenen Häuser, dass mit Strafen und Druck auf den wachsenden Protest reagiert wird. „Wer Menschen ohne Rechtsgrundlage daran hindert, das Anliegen einer Versammlung zur Kenntnis nehmen zu können, steht außerhalb des Grundgesetzes“, kommentieren die Organisator_innen des Protestes solches Verhalten der Klinikleitung um den umstrittenen ärztlichen Leiter Dr. Rüdiger Müller-Isberner. „Klinikchef und zuliefernde Justiz bewerben ihre Rechtsbrüche sogar in ihren Fach- und Lehrbüchern“, wiesen die Demonstrant_innen bei den vergangenen Protestmärschen mit entsprechenden Zitaten nach. Den Druck auf Patient_innen werten sie als Zeichen der Angst seitens der Klinik, dass die unerträglichen Verhältnisse hinter den Mauern an eine breitere Öffentlichkeit gelangen könnten. Genau das sollen die Kundgebungen bezwecken.
Bergstedt und andere Beteiligte hoffen, dass der Kreis von Menschen größer wird, die sich dafür interessieren, was deutschlandweit über 200.000 Personen betrifft. „Niemand kann sich sicher sein, nicht plötzlich eingesperrt und misshandelt zu werden“, heißt es in Aufrufen zur Demonstration. Es lohne sich, z.B. durch Patientenverfügungen den eigenen Schutz zu stärken, aber auch dafür zu kämpfen, dass solcher Schutz in Gießen auch zur Geltung kommt. Äußerungen aus der Vitosklinik in der Licher Straßen ließen darauf schließen, dass dort weder die Menschen noch das geltende Recht geachtet würden. „Wir gehen dorthin, bis sich das ändert!“
Internetseite der Zwangspsychiatriegegner_innen in und um Gießen: www.psychiatrieundknast.de.vu.
Kontakt über die Projektwerkstatt, Tel. 06401-903283 und kobra@projektwerkstatt.de.

Hinweise für Journalist_innen: Für Rückfragen im Vorfeld bitte unter der angegebenen Telefonnummer oder Mailadresse melden. Fotos und Beiträge können vor Ort entstehen – hierzu laden wir Sie herzlich ein. Bitte beachten Sie bei Aufnahmen auf dem Gelände, keine Unbeteiligten abzulichten. Die Versammlung und alle dort stattfindenden Aktivitäten können selbstverständlich dokumentiert werden.
Die Versammlung ist, wie üblich, bei der zuständigen Behörde angemeldet.

 Also ...  ich freue mich dauf, viele Menschen aus Gießen und Umgebung, aber gerne auch darüber hinaus, für einen druckvollen Protest und viele gute Gespräche über zukünftige Aktivitäten zu treffen.
Gruß aus der Projektwerkstatt, Jörg B.



Die nächsten Termine

Direkt voraus am Samstag, 20.9., 16 Uhr mit Start vor dem Eingang der Vitos-Klinik Gießen (Licher Straße):
Demonstration gegen geschlossene Psychiatrien und andere Zwangsanstalten und dann über das Gelände
Es wäre schön, wenn wieder Menschen mit kreativen Ideen mitmachen. Von Redebeiträgen (wir haben unseren Fahrradhänger-Lautsprecher dann wieder dabei) über Kreidemalereien, Flugblätter, Theaterspiel, Musik oder Spruchbänder ist alles gern gesehen.
Berichte zu den vorhergehenden zwei Demos am 19.7. in Gießen und am 23.8. in Limburg:
             http://de.indymedia.org/node/1883

Anschließend für alle, die Interesse haben: Fahrt in die Projektwerkstatt (Reiskirchen-Saasen, Ludwigstr. 11 - direkt von der Vitos-Klinik ab Bahnhof "Gießen/Licher Straße" mit dem Zug erreichbar, aussteigen in "Saasen", dann noch 4min Fußweg). Dort Gelegenheit zum Planen weiterer Aktivitäten und Austausch von Ideen. Übernachtung möglich (mehr über die Projektwerkstatt unter www.projektwerkstatt.de/saasen).


Spannend noch ein anderer Termin, der (zufällig) damit fast zusammenfällt (fand ich eben im Internet):
Stadtführungen in Gießen: 20.09.2014 | 14:00 Uhr
Ort: Vitos-Klinik, Pforte, Licher Str. 106
Führung über das Gelände und durch die Ausstellung
Referenten: Herwig Groß und Karl Heinz Reitz
Teilnahme: 6 €, ohne Voranmeldung. Dauer: ca. 2 - 3 Std.
Wie wäre es, wenn ein paar Leute schon um 14 Uhr da sind und Flyer verteilen?

Am 28.9.2014, 18:05 bis 19:00 bringt hr2-kultur ein Feature von Heiner Dahl über den Verlust persönlicher Grundrechte (SR 2014) unter dem Titel „Dunkelkammer Psychiatrie“. Text: In den vergangenen Jahren sind immer mehr Menschen in geschlossene Psychiatrien eingewiesen worden. In Deutschland entscheiden Richter darüber auf der Grundlage psychiatrischer Gutachter. Ob Allgemeinpsychiatrie oder Forensik - hinter Mauern und Zäunen verbirgt sich eine abgeschottete Welt. Der Autor recherchiert in den schwer einsehbaren Zonen formalrechtlich korrekter Verhältnisse. Er blickt hinter die Fassade einer fragwürdigen Normalität und fragt nach alltäglichen Grenzüberschreitungen und schweren Grundrechtsverletzungen. Amtliche und wissenschaftliche Akteure konfrontiert er mit ihren Rollen in diesem System aus Zwang und Sicherheit, das Bürger vielleicht zu oft als Risiko und Gefahr für die Allgemeinheit behandelt.
Wer kann das aufnehmen?


Ansonsten fahre ich zu zwei Treffen von Psychiatrie-Erfahrenen. Dazu seid Ihr sicherlich auch herzlich eingeladen:
  • 10.-12.10. in Kassel: Jahrestagung BPE „Hilf Dir selbst! Sonst wird Dir geholfen …“ ++ Programm und Info: http://www.bpe-online.de/termine/2014-10-12.pdf
  • 18.10. von 13 bis 18 Uhr in Frankfurt (Alte Backstube, Dominikanergasse 7, ganz in der Nähe des Doms): Landestreffen der Psychiatrieerfahrenen in Hessen

 

Infos zu Projekten und Aktionen

Aktionsbroschüre soll entstehen

Ich will ein Heft in unsere A5-Aktionsheftreihe machen – diesmal mit Tipps, um sich vor der Psychiatrie zu schützen und gegen sie zu wehren. Zur einen Hälfte ist es der Text aus Limburg zu Psychiatrierecht, zur anderen Hälfte eine Aufzählung von Aktionsideen. Hat jemand Lust, dass mal vorab zu lesen und Fehler zu suchen, Tipps für Ergänzungen oder Verbesserungen zu schicken? Fände ich nett und freue mich dann auf eine Meldung … ich schicke den Text dann zu. Er ist noch unlayoutet (das kommt dann ganz am Ende).
Außerdem nochmal der Hinweis, dass ich an einem Schwerpunkt für das nächste „grüne blatt“ arbeite und gerne noch Sachen aufnehme zu Psychiatrie. Ich habe aber auch schon Etliches zusammen dafür.

 

Weitere geht’s: Recherche hinter den Kulissen

Bitte sammelt Unterlagen, die all das belegen, was hinter den Mauern und Zäunen an schlimmen Sachen abgeht. Wichtig sind Akten der anderen Seite, weil den Insassen selbst wird kaum jemand glauben (die sind schließlich „verrückt“, werden unsere Gegner_innen sagen). In der Projektwerkstatt soll ein Archiv von auf diese Weise entstehen und eine Grundlage für Veröffentlichungen bilden.

Bibliothek

Die Antipsychiatrie-Ecke in unserem Archiv (in der Projektwerkstatt) ist noch recht klein, aber sie wächst. Ich organisiere etliche weitere Bücher gerade. Zudem gibt es bislang noch keine Person, die die fest betreut (also immer mal wieder sortiert, neue Unterlagen einheftet usw.). Hat dazu jemand Lust? Ansonsten darf sie gern erweitert und genutzt werden (allerdings im Regelfall nur als Präsenzbibliothek – mit Ausleihe haben wir katastrophale Erfahrungen). Mehr über unsere Bibliothek unter www.projektwerkstatt.de/kabrack. Im Haus gibt es auch genügend Arbeitstische und Übernachtungsmöglichkeiten, falls jemand mal länger darin stöbern will.
-- 
(Bitte bei Antworten lange Mailzitate wegschneiden ... spart Daten, Zeit und Unübersichtlichkeit :-)

Projektwerkstatt Saasen, 06401/90328-3, Fax 03212-1434654
Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen (20 km östlich Giessen)
www.projektwerkstatt.de/saasen <saasen@projektwerkstatt.de>
PGP unter www.projektwerkstatt.de/feedback.html
 - Seminarhaus und politische Aktionswerkstätten
 - Archive, Bibliotheken und Gruppenräume (mit Bahnanschluss)
Neue Bücher zu Herrschaftskritik und Utopien unter www.aktionsversand.de.vu!
Aktuelle Angebote für Lesungen, Workshops und Vorträge: www.vortragsangebote.de.vu 
und www.projektwerkstatt.de/termine.
Die Projektwerkstatt lebt davon, was anderswo übrig ist, z.B.:
 Kopierpapier, SATA-Festplatten, Audio-Aufnahmegerät, AGB- oder 
PCIexpress-Grafikkarten, HD-Kamera, Obstpresse, flacher Heizkörper 
(bis 42cm hoch), altes Handy (möglichst mit Kamera) und viele Verbrauchsmaterialien 
(Gesamtliste unter www.projektwerkstatt.de/gesucht).
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