Sonntag, 22. November 2015

10/05/2013 by Dr. phil. Klaus Gauger

Über das neuerschienene Buch des amerikanischen Psychiaters Allen Frances mit dem deutschen Titel “Normal” (erschienen im Dumont-Verlag. Englischer Originaltitel: “Saving Normal“) ist in den Medien schon ausführlich berichtet worden und es werden wohl noch weitere Artikel zu diesem Buch folgen.
Ich selbst will keine Rezension zu diesem Buch schreiben, und zwar aus folgendem Grund: Alle meine Feinde (zu denen leider auch nicht wenige einfältige und geldgierige Psychiater gehören) werden dann natürlich denken: “Klar, jetzt nutzt er dieses Buch als Steilvorlage, um über die Psychiatrie herzuziehen“.
Folgendes grundsätzlich: Die Tatsache, dass in meinem Fall im Jahre 1994 ganz offensichtlich eine Fehldiagnose geleistet wurde (paranoide Schizophrenie), die unter anderem dazu geführt hat, dass ich seit zwanzig Jahren in der “Umwelt” (Niklas Luhmann) des soziokybernetischen Systems leben muss und meine Gegner, unter ihnen wohl nicht wenige Psychiater, meine Situation missbraucht haben, um mich zu quälen und mich dann ab dem 1.1.2013 zum “Abschuss” und zur Tötung freizugeben, beweist noch lange nicht, dass die Psychiatrie grundsätzlich schlecht ist.
Ich selbst bin zur Zeit im ZfP Emmendingen untergebracht und werde dort zumindest von Dr. Stephan Schieting (dem ärztlichen Direktor) gut behandelt. Und ich sehe dort auch viele Patienten, die den Aufenthalt in dieser Psychiatrie wohl brauchen und denen es im Verlauf der Behandlung dort auch zunehmend besser geht.
Bei mir kommt noch hinzu, dass der Hauptgrund dafür, dass ich zum “Abschuss” und zur Tötung freigegeben wurde, gar nicht im psychiatrischen Bereich lag.
Hätte ich diesen Blog nie geschrieben und mich in diesem Blog vor allem nicht kritisch zum Eurokrisen-Management der aktuellen deutschen schwarz-gelben Regierungskoalition (Kabinett Merkel II) geäußert, hätte man mich wohl problemlos weiterleben lassen. Das heißt, der eigentliche Grund dafür, dass ich umgelegt werden sollte, war dieser Blog und vor allem meine kritischen Eurokrisen-Artikel.
Ich sollte im Prinzip aus politischen Gründen umgelegt werden, wobei man dann wohl als Vorwand irgendwelche psychiatrischen Gründe angeführt hat, zum Beispiel “Klaus Gauger ist ein gefährlicher, narzisstischer, destruktiver `Schizo´”, etc. = Derlei “Ferndiagnosen” kann jeder mittelmäßige Psychiater sofort dutzendweise aus dem Ärmel schütteln, wenn er es so will und vielleicht auch noch gut dafür bezahlt wird.
Da man im psychiatrischen Bereich sowieso nichts beweisen oder widerlegen kann, kann jeder Psychiater hier zusammenphantasieren, was ihm beliebt. Wer mich nicht mag oder wer dafür gut bezahlt wird, wird immer genug psychiatrische oder finden, um mich umlegen zu lassen, nicht wahr?
Im Klartext: Ein psychiatrischer und vor allem auch ein systemischerExtremfall” wie ich beweist noch lange nicht, dass die Psychiatrie grundsätzlich nichts taugt.
Ich bin letztlich mehr das Produkt einer spießigen südbadischen Provinzstadt namens Freiburg, zu der auch die konservative Freiburger Oberschicht und die hiesige zweitklassige Psychiatrie und Psychosomatik und nicht zuletzt die Freiburger “Psychoszene“ mit so fragwürdigen Sekten wie der “BGA” (Bund gegen Anpassung) dazugehören als das Produkt der Psychiatrie allgemein.
Man darf nicht vergessen: Jede Stadt hat ihre eigenen Strukturen und dazu gehört auch ihre Psychiatrie, ihre Psychosomatik und ihre Psychotherapieszene. Und die soziokybernetischen Systeme sind immer selbständige Stadtsysteme.
Jede Stadt und jeder Chefpsychiater entscheidet für sich selbst und im Prinzip unabhängig. Die Fehldiagnose (paranoide Schizophrenie) habe ich hier in Freiburg erhalten und hier in Freiburg wurde ich fast zwanzig Jahre systematisch (bzw. systemisch) fertiggemacht, angelogen, verarscht, blockiert und am Ende zum “Abschuss” und zur Tötung freigegeben. Jeder Mensch in meiner Umgebung kann von den oberen Hierarchien des Freiburger soziokybernetischen Systems im Prinzip gegen mich als Marionette eingesetzt und gelenkt werden. Letztendlich war Freiburg in den letzten zwanzig Jahren einfach eine hocheffektive und potentiell tödliche Falle für mich. Und das hat System oder ist - genauer gesagt - systemisch so angelegt.
Und da die deutschen Chefpsychiater in der Regel solidarisch untereinander sind (man nennt das den “Korpsgeist“, den es in vielen Berufsständen gibt), hatte auch keiner von ihnen Lust, sich in diese Sache einzumischen.
Mein Bruder Stefan Gauger (Entwickler bei SAP in Walldorf) zum Beispiel lebt seit fast zwanzig Jahren in Heidelberg. Aber der Chefpsychiater von Heidelberg (sein Name ist hier belanglos und ich werde den Mann auch nicht `googeln´) mischt sich hier nicht ein. Und das, obwohl Heidelberg das wohl wichtigste Zentrum für systemische Therapie in ganz Deutschland ist.
Und so weiter. Niemand wollte sich hier einmischen. Als Mensch mit einer Schizophrenie-Diagnose in meiner systemischen Situation ist man im Prinzip das “Eigentum” des Chefpsychiaters der jeweiligen Stadt, in der man lebt. Er entscheidet, ob Du geheilt bist (= ein aktives Mitglied des soziokybernetischen Stadtsystems werden darfst). Und er entscheidet auch darüber, ob man leben darf oder sterben muss.
So läuft das nun einmal. Und jetzt, wo ich diesen Blog geschrieben habe, habe ich zusätzlich auch noch mächtige deutsche Politiker als Feinde und soll im wesentlichen aus politischen Gründen ausgeschaltet werden. Die deutschen Psychiater (zumindest die, die mich nicht mögen) liefern seit einiger Zeit sowieso nur noch die “psychiatrischen Begleitgründe“, um meinen “Abschuss” und meine Tötung zu rechtfertigen.
Freiburg ist letztlich eine spießige, konservative Provinzstadt in der Hand von aufgeblasenen Professoren und sonstigen zweitklassigen Gestalten und nicht zuletzt auch in der Hand von ein paar ausgeflippten Psycho-, Öko- und Esoterikfreaks und sonstigen Spinnern. Mein Fall sagt mehr über Freiburg aus als über die Psychiatrie allgemein. Und mein Fall sagt mittlerweile auch wesentlich mehr über die Baden-Württembergische politische Führungsschicht aus als über die Psychiatrie allgemein.
Und das Thema Madrid (meine zweite Heimatstadt) lasse ich hier weg, weil Spanien allgemein sowieso nicht auf mitteleuropäischem Niveau ist. Spanien ist in vieler Hinsicht immer noch ein Entwicklungsland. Das gilt natürlich auch für die Psychiatrie, die Psychosomatik und die Psychotherapieangebote zum Beispiel auch in Madrid. Und im Moment ist Spanien einfach nur noch eine Provinz des “Neuen Deutschen Neoliberalen Reiches” unter Angela Merkel. Wenn Angela Merkel pfeift, kommt Mariano Rajoy wedelnd angerannt. Insofern kann ich Madrid vergessen.
Um nun auf das Buch von Allen Frances zurückzukommen: Allen Frances bemerkt auf Seite 21 der deutschen Ausgabe seines Buches: “Meine Schreckensvision ist, dass manche selektiv lesen und dann zur vollkommen falschen und von mir beabsichtigten Schlussfolgerung gelangen, ich sei gegen psychiatrische Diagnostik und Behandlung. Meine Kritik an falsch und unzulänglich praktizierter Psychiatrie könnte dieser Interpretation Vorschub leisten, dabei würde aber völlig übersehen, dass ich ein leidenschaftlicher Verfechter der Psychiatrie bin, wenn sie nach den Regeln der Kunst ausgeübt wird“.
Gut: Also werde ich mich aus dieser Sache raushalten. Und ich habe das Buch übrigens nicht selektiv gelesen, sondern ich habe klar bemerkt, dass Frances in seinem Buch ebenso differenziert wie sachkundig und intelligent argumentiert.
Was ist nun eigentlich das Besondere an diesem Buch, im Vergleich zu den zahlreichen anderen psychiatriekritischen Werken, die schon auf dem Büchermarkt angeboten werden?
Der Philosoph Geert Keil benennt in seinem Nachwort zu “Normal” (S. 393 – 413) die Besonderheiten dieses Buches:
- Zunächst: Die Kritik stammt von einem hochrenommierten Insider der Psychiatrie. Frances weiß, wovon er spricht. Unter seiner Federführung ist die 1994 veröffentlichte Vorgängerversion IV des DSM-Handbuches entstanden, die nun durch das DSM -5 abgelöst wird. Die New York Times hat Frances seinerzeit “den einflussreichsten Psychiater Amerikas” genannt.
- Menschen, die in verantwortlicher Position tätig waren, finden im Alter häufig, dass ihre Nachfolger alles schlechter machen. Diese psychologisierende Erklärung verfängt aber hier nicht. Des Autors j´accuse mischt sich mit einem mea culpa: Frances berichtet selbstkritisch von seiner eigenen Arbeit am DSM-IV und von seinen Fehldiagnosen als junger Psychiater.
- Er erklärt nicht alle Übel aus einer Wurzel. Auch wenn die Pharmaindustrie den größten Schaden anrichte, indem sie mit immensem Werbeaufwand Psychopharmaka in den Massenmarkt drücke, sei sie doch keine kriminelle Vereinigung. Sie verhalte sich so, wie profitorientierte Unternehmen es eben tun, um am Markt erfolgreich zu sein. Sie kann die diagnostische Inflation auch nicht aus eigener Kraft in Gang setzen, sondern ist auf einen entgegenkommenden Gesetzgeber und auf die Autoren der “Psychiatriebibel” angewiesen, nach der Ärzte ihre Diagnosen verschlüsseln müssen.
- Seine Inflationswarnung macht Frances nicht blind für gegenläufige Entwicklungen. Viele psychische Störungen, beispielweise die Depression und posttraumatische Belastungsstörungen, würden in großem Ausmaß über- und unterdiagnostiziert. (…).
- Bei aller Schärfe seiner Kritik redet Frances keiner Alternativmedizin das Wort. (…). Frances ist dagegen Anhänger der evidenzbasierten Medizin. (…).
- So ist Frances´ Ziel am Ende ein konstruktives: Er möchte mit der Normalität im selben Zug die Psychiatrie retten: Die Psychiatrie solle sich auf die Grenzen ihrer Kompetenz beschränken, bei der Überarbeitung des Diagnosekatalogs maximal konservativ und evidenzbasiert vorgehen, sich des hippokratischen Grundsatzes “primum non nocere” erinnern und Distanz zur Pharmaindustrie wahren”.
Tja, die Besonderheiten dieses Buches hat Geert Keil in seinem Nachwort recht bündig und umfassend zusammengetragen. So sehe ich das auch.
Was nun das Buch selbst angeht: Hierzu sind schon einige recht gute Rezensionen und Interviews mit Allen Frances in deutschen Tageszeitungen und Magazinen erschienen. Die biete ich jetzt also einfach hier verlinkt an.
Die Rezension vom 29.4.2013 mit dem Titel “Sachbuch “Normal”: Ist dieser Junge nicht krank?” in “Zeit Online” (verfasst von Elisabeth von Thadden).
Eine Rezension vom 7.5.2013 mit dem Titel “Heute noch normal, morgen schon verrückt“, ebenfalls in “Zeit Online” von Fritz Habekuß.
Ein Interview vom 29.4.2013 mit Allen Frances mit dem Titel “Interview mit Psychiater Allen Frances: Eine Diagnose ist wie eine Ehe“ in “Focus Online“.
Ein Interview vom 24.4.2013 mit dem Titel “US-Psychiater über Diagnosehandbuch: `Die Experten waren betriebsblind´” in der “taz“.
Die Rezension vom 12.4.2013 mit dem Titel “`Normal´ von Allen Frances: Beichte eines Psychiater-Papstes” in “Spiegel-Online” (verfasst von Jörg Blech)
Den Beitrag mit dem Titel “Ein Psychiater kämpft für Normalität” im NDR Fernsehen von Melanie Thun.
Seht auch ein ausführliches Interview vom 24.5.2013 mit dem Titel “Wie uns Ärzte krank machen” des Wissenschaftsjournalisten Jörg Blech mit dem Psychiater, Psychologen und Philosophen Andreas Heinz in der Mediathek der ARD.
Seht von Allen Frances selbst seinen Blog in der “Huffington Post“. Und Allen Frances hat auch einen weiteren Blog in der “Psychiatric Times“.
Und wenn ihr mehr wissen wollt, dann `googelt´ eben fleißig. Da Allen Frances ein Starpsychiater in den USA ist, werdet ihr jede Menge gerade auch englischsprachiger Artikel von Allen Frances selbst und über ihn und auch über sein vor kurzem neuerschienenes Buch “Normal” (Deutsche Ausgabe) bzw. “Saving Normal” (Englische Ausgabe) finden. Und dabei belasse ich es.
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