Donnerstag, 14. Januar 2016

Michael Perez seit über 8 Monate isoliert und teilweise fixiert?

NIX-Gut – Nette-Gut? Michael Perez seit über 8 Monate isoliert und teilweise fixiert?

Heute 2016:
Michael Perez KIR

Ein Kommentar von Eva Schwenk (Diplom Psychologin):

Früher 1860:
Eine „Wohltätigkeitsanstalt“, in der psychisch kranke Menschen untergebracht waren, hat in ihren Statuten im Jahr 1860 die zu verhängenden Strafen formuliert, in Abhängigkeit von der Schwere des Vergehens:
1. Ermahung und Verweise unter vier Augen.
2. Ermahnung vor den übrigen Genossen.
3. Abzug an Kost.
4. Fasten bei Wasser und Brod, jedoch in einer Reihe nicht länger als vierundzwanzig Stunden.
5. Versetzen in eine einsame Zelle, jedoch nicht länger als 48 Stunden.
6. Anlegen der Zwangsjacke, jedoch nicht länger als durch 12 Stunden.
(Quelle: Egger-Kiermayr, Gernot: Ausgrenzen-Erfassen-Vernichten. Arme und „Irre“ in Vorarlberg, Studien zur Geschichte und Gesellschaft Vorarlbergs, Band 7, 1990, Seite 77).
Nicht länger als 48 Stunden durfte ein Mensch isoliert werden. Man wusste, wie schwerwiegend die Folgen der Isolation für einen Menschen sind. Michael Perez ist heute, in der „modernen Psychiatrie“, seit 8 Monaten sprich ca. 240 Tage sprich 5.760 Stunden isoliert. Wer eine Ahnung davon bekommen will, was er aushalten muss, kann sich diesen Film anschauen: http://www.spiegel.tv/filme/bbc-isoliert-einsamkeitsexperiment-total-isolation/. Sicher, das Sonnenlicht lässt man ihm, aber sonst fehlt ihm alles, was ein Mensch notwendig zum Erleben des Lebens braucht. Kontakte, Nähe, Sicherheit, Beziehungen, Sinnlichkeit, Selbstbestimmung, Anregung, Arbeit, Selbstwert, Erfahrung, Natur … Er kann nichts tun, als warten. Warten auf ein Ereignis, von dem er nicht weiß, wann es eintritt und ob es eintritt. Die andauernde Unterbringung in einem Kriseninterventionsraum ist menschenverachtende Quälerei.

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