Michael Perez, das Folterprotokoll.
Die letzten Nächte auf
der geschlossenen Station, vor seiner zweiten Fixierung
vom 21.02.2014
bis 10.03.2014!
Schlafmangel führt dazu, dass man keine
Initiative mehr ergreifen kann,
man wird gleichgültig, apathisch und reizbar; er
führt zu
Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen
und zu
Hirnfunktionsstörungen, die denen der
Trunkenheit ähneln; es kommt zu
Störungen der Motorik, zu einer undeutlichen
Aussprache, zu Zittern und
Schwindel, willkürliche Bewegungsabläufe sind
erschwert, der Körper
gehorcht nicht mehr; Mikro-Schlafperioden treten
auf, in denen man ins
Leere starrt; Wahrnehmungsstörungen bilden sich
heraus, man verkennt
Objekte, hält beispielsweise einen Bleistift für
ein Messer
(Illusionen), man nimmt nicht existierende
Objekte wahr
(Halluzinationen); es kommt zu
Depersonalisationserleben, man weiß nicht
mehr, wer man ist und muss in den Spiegel
schauen, um sich seiner zu
vergewissern.
Erste Nacht: Herr P. schaute am Abend
fern, pendelte anschließend
zwischen seinem Zimmer, Raucherraum und
Tagesraum hin und her, wechselte
des öfteren seine Kleidung, wirkte sehr
angespannt…, ging um 3:30 Uhr
zu Bett und hat geschlafen (Blatt 19). Zweite
Nacht: Herr P. schaute am
Abend fern, wechselte ständig seine Kleidung,
übte Schatten-Boxen im
Tagesraum, Pat. ging um 3:00 Uhr zu Bett und hat
bei den weiteren
Rundgängen jeweils geschlafen. (Blatt 18).
Dritte Nacht: Pat. schaute
bis Programmende fern, kommentierte laut zu den
Filmen, lachte laut bei
einer Box-Sendung, pendelte anschließend mit
seinem Kopfhörer über
Station, ging um 4:00 Uhr zu Bett und hat
geschlafen. Nimmt nicht am
Frühstück teil, erhält Sanktion A (Blatt 17).
Vierte Nacht: Herr Perez
geht erst ca. 1:30 zu Bett, schläft bei
Kontrollen sehr unruhig. (Blatt
17). Fünfte Nacht: Herr P. geht nach der TV-Zeit
zu Bett und schläft die
gesamte Nacht (Blatt 16). Sechste Nacht: Pat.
saß bis 2:30 Uhr im
Raucherraum, zog sich dann für eine Stunde ins
Bett zurück um dann
erneut 30 Minuten im Raucherraum zu verbringen.
Ab 4:00 Uhr schlief Pat.
augenscheinlich. Herr Perez erscheint nicht zum
Frühstück, Sanktion A.
(Blatt16). Siebte Nacht: Pat. schaute bis
1:00Uhr fern hielt sich danach
noch bis 1:50Uhr im Raucherraum auf, schlief bei
den anschließenden
Kontrollen augenscheinlich. (Blatt 15). Achte
Nacht: Herr P. pendelte am
Abend über Station, hat im weiteren Verlauf der
Nacht nur sporadisch
geschlafen, war oft im Raucherraum. … Herr Perez
steht ca. 10:00 Uhr
auf, wurde zuvor mehrmals geweckt, Sanktion A.
(Blatt 15). Neunte Nacht:
Herr P. verhielt sich am Abend sehr ruhig, hat
in der Nacht nur
sporadisch geschlafen (Blatt 14). Zehnte Nacht:
Patient war in der Nacht
des öfteren zum Rauchen auf, hat ansonsten bei
den Rundgängen jeweils
geschlafen (Blatt 14). Elfte Nacht: Patient
pendelte am Abend über
Station, wirkte etwas entspannter, ging
anschließend zu Bett, war des
öfteren zum Rauchen auf, hat ansonsten
geschlafen (Blatt 13). Zwölfte
Nacht: Herr P. war im Verlauf der Nacht
schlaflos, pendelte zwischen
seinem Zimmer und Raucherraum, macht in seinem
Zimmer sportliche
Übungen, gab ab und zu einen lauten Schrei von
sich (Blatt 13).
Dreizehnte Nacht: Herr P. war im Verlauf der
Nacht schlaflos,
schlenderte über Station, wechselte ständig
seine Kleidung, verhielt
sich ruhig. (Blatt 12). Vierzehnte Nacht:
Patient war im Verlauf der
Nacht sehr schlaflos, schlenderte über den
Stationsflur. Pat. zieht sich
um 6:00 Uhr ins Bett zurück und schläft kurze
Zeit, hält sich dann
abwechselnd im Raucherraum oder in seinem Zimmer
auf und führt einen
Dialog mit sich selbst (Blatt 12). Fünfzehnte
Nacht: Patient hat die
Nacht bis 4:00 Uhr geschlafen, ist seit diesem
Zeitpunkt im Raucherraum
(Blatt 12). Sechzehnte Nacht: Herr P. pendelte
am Abend über Station,
wechselte des öfteren seine Kleidung, geht von
23:00 Uhr bis 2:00 Uhr zu
Bett, sitzt seit dem wieder im Raucherraum und
spricht kein Wort, steht
oft im Zimmer vor seinem Spiegel. Herr P. hat
das allgemeine Frühstück
verschlafen. Sanktion A. (Blatt 11). Siebzehnte
Nacht: Herr P. pendelte
am Abend schweigsam über Station meidet jeden
Kontakt, dieses Verhalten
hält die ganze Nacht an, pendelte im Minutentakt
in den Raucherraum.
Herr Perez hat am Frühstück nicht teilgenommen
(Blatt 11). Achtzehnte
Nacht: Patient pendelt bis 4:00 Uhr zwischen
Zimmer, Raucherraum und
Flur, verhielt sich meist ruhig. Patient ist um
5:30 Uhr wieder auf den
Beinen, sitzt rauchend am Tisch im Raucherraum,
dreht sich zur Glastür
und starrt auf sein Spiegelbild (Blatt
10).
So sind die Nächte gewesen. Tagsüber
ist es nicht anders, die einzige
„therapeutische Maßnahme“ ist der Hofgang.
Michael Perez ist
hospitalisiert, schlaflos und schutzlos.
Wochenlang schaute die Klinik
zu. Anstatt ihm zu helfen, hat sie Sanktionen
ausgesprochen, ihn
begrenzt und ermahnt, sich lustig über ihn
gemacht und ihn verhöhnt.
Einmal hat er eine Schmerzsalbe gegen seine
verspannte Muskulatur haben
wollen. Die hat man ihm verweigert mit der
Bemerkung, er könne sich die
Salbe kaufen gehen, wenn er genug Punkte
gesammelt habe, um wieder
gelockert zu werden (Blatt 18). Ein anderes Mal
hat er sich eine Pizza
aufbacken wollen. Seine Pizza könne er haben,
erklärte man ihm, den
Backofen könne er nicht benutzen, das sei eine
erzieherische Maßnahme,
weil er oft nicht zum Frühstück erscheine (Blatt
15). Michael Perez warf
die Pizza gegen eine Wand, es wurde ein
Aggressionsbogen ausgefüllt und
die Verordnung erlassen, dass er keine
Lebensmittel mehr bekommt, die
einer weiteren Bearbeitung bedürfen (Blatt
13).
Am 21.02.2014 um 17:30 Uhr hatte
Michael Perez eine Auseinandersetzung
mit einen Mitpatienten, dem wenige Tage zuvor
ein Teil des Ohres
abgebissen worden war. Der Mitpatient wollte ihn
zu einem Fluchtversuch
überreden, schilderte ihm seinen Plan, war
aufgeregt und bedrängte ihn,
worauf Michael Perez ihn in den Schwitzkasten
nahm. Michael Perez wurde
fixiert. Als man ihn überwältigte, schrie er
nach seinen Eltern. Blatt
9: Herr Perez schrie dabei die ganze Zeit nach
seinen Eltern und dass
die Polizisten nicht richtige Polizisten wären.
Nein, man kann es sich
nicht vorstellen, dass die öffentliche Gewalt an
solchen Verbrechen
beteiligt ist.
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