Samstag, 27. Februar 2016

Michael Perez, das Folterprotokoll.

Michael Perez, das Folterprotokoll.
Die letzten Nächte auf der geschlossenen Station, vor seiner zweiten Fixierung
vom 21.02.2014 bis 10.03.2014!
Schlafmangel führt dazu, dass man keine Initiative mehr ergreifen kann,
man wird gleichgültig, apathisch und reizbar; er führt zu
Gedächtnisstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen und zu
Hirnfunktionsstörungen, die denen der Trunkenheit ähneln; es kommt zu
Störungen der Motorik, zu einer undeutlichen Aussprache, zu Zittern und
Schwindel, willkürliche Bewegungsabläufe sind erschwert, der Körper
gehorcht nicht mehr; Mikro-Schlafperioden treten auf, in denen man ins
Leere starrt; Wahrnehmungsstörungen bilden sich heraus, man verkennt
Objekte, hält beispielsweise einen Bleistift für ein Messer
(Illusionen), man nimmt nicht existierende Objekte wahr
(Halluzinationen); es kommt zu Depersonalisationserleben, man weiß nicht
mehr, wer man ist und muss in den Spiegel schauen, um sich seiner zu
vergewissern.
Erste Nacht: Herr P. schaute am Abend fern, pendelte anschließend
zwischen seinem Zimmer, Raucherraum und Tagesraum hin und her, wechselte
des öfteren seine Kleidung, wirkte sehr angespannt…, ging um 3:30 Uhr
zu Bett und hat geschlafen (Blatt 19). Zweite Nacht: Herr P. schaute am
Abend fern, wechselte ständig seine Kleidung, übte Schatten-Boxen im
Tagesraum, Pat. ging um 3:00 Uhr zu Bett und hat bei den weiteren
Rundgängen jeweils geschlafen. (Blatt 18). Dritte Nacht: Pat. schaute
bis Programmende fern, kommentierte laut zu den Filmen, lachte laut bei
einer Box-Sendung, pendelte anschließend mit seinem Kopfhörer über
Station, ging um 4:00 Uhr zu Bett und hat geschlafen. Nimmt nicht am
Frühstück teil, erhält Sanktion A (Blatt 17). Vierte Nacht: Herr Perez
geht erst ca. 1:30 zu Bett, schläft bei Kontrollen sehr unruhig. (Blatt
17). Fünfte Nacht: Herr P. geht nach der TV-Zeit zu Bett und schläft die
gesamte Nacht (Blatt 16). Sechste Nacht: Pat. saß bis 2:30 Uhr im
Raucherraum, zog sich dann für eine Stunde ins Bett zurück um dann
erneut 30 Minuten im Raucherraum zu verbringen. Ab 4:00 Uhr schlief Pat.
augenscheinlich. Herr Perez erscheint nicht zum Frühstück, Sanktion A.
(Blatt16). Siebte Nacht: Pat. schaute bis 1:00Uhr fern hielt sich danach
noch bis 1:50Uhr im Raucherraum auf, schlief bei den anschließenden
Kontrollen augenscheinlich. (Blatt 15). Achte Nacht: Herr P. pendelte am
Abend über Station, hat im weiteren Verlauf der Nacht nur sporadisch
geschlafen, war oft im Raucherraum. … Herr Perez steht ca. 10:00 Uhr
auf, wurde zuvor mehrmals geweckt, Sanktion A. (Blatt 15). Neunte Nacht:
Herr P. verhielt sich am Abend sehr ruhig, hat in der Nacht nur
sporadisch geschlafen (Blatt 14). Zehnte Nacht: Patient war in der Nacht
des öfteren zum Rauchen auf, hat ansonsten bei den Rundgängen jeweils
geschlafen (Blatt 14). Elfte Nacht: Patient pendelte am Abend über
Station, wirkte etwas entspannter, ging anschließend zu Bett, war des
öfteren zum Rauchen auf, hat ansonsten geschlafen (Blatt 13). Zwölfte
Nacht: Herr P. war im Verlauf der Nacht schlaflos, pendelte zwischen
seinem Zimmer und Raucherraum, macht in seinem Zimmer sportliche
Übungen, gab ab und zu einen lauten Schrei von sich (Blatt 13).
Dreizehnte Nacht: Herr P. war im Verlauf der Nacht schlaflos,
schlenderte über Station, wechselte ständig seine Kleidung, verhielt
sich ruhig. (Blatt 12). Vierzehnte Nacht: Patient war im Verlauf der
Nacht sehr schlaflos, schlenderte über den Stationsflur. Pat. zieht sich
um 6:00 Uhr ins Bett zurück und schläft kurze Zeit, hält sich dann
abwechselnd im Raucherraum oder in seinem Zimmer auf und führt einen
Dialog mit sich selbst (Blatt 12). Fünfzehnte Nacht: Patient hat die
Nacht bis 4:00 Uhr geschlafen, ist seit diesem Zeitpunkt im Raucherraum
(Blatt 12). Sechzehnte Nacht: Herr P. pendelte am Abend über Station,
wechselte des öfteren seine Kleidung, geht von 23:00 Uhr bis 2:00 Uhr zu
Bett, sitzt seit dem wieder im Raucherraum und spricht kein Wort, steht
oft im Zimmer vor seinem Spiegel. Herr P. hat das allgemeine Frühstück
verschlafen. Sanktion A. (Blatt 11). Siebzehnte Nacht: Herr P. pendelte
am Abend schweigsam über Station meidet jeden Kontakt, dieses Verhalten
hält die ganze Nacht an, pendelte im Minutentakt in den Raucherraum.
Herr Perez hat am Frühstück nicht teilgenommen (Blatt 11). Achtzehnte
Nacht: Patient pendelt bis 4:00 Uhr zwischen Zimmer, Raucherraum und
Flur, verhielt sich meist ruhig. Patient ist um 5:30 Uhr wieder auf den
Beinen, sitzt rauchend am Tisch im Raucherraum, dreht sich zur Glastür
und starrt auf sein Spiegelbild (Blatt 10).
So sind die Nächte gewesen. Tagsüber ist es nicht anders, die einzige
„therapeutische Maßnahme“ ist der Hofgang. Michael Perez ist
hospitalisiert, schlaflos und schutzlos. Wochenlang schaute die Klinik
zu. Anstatt ihm zu helfen, hat sie Sanktionen ausgesprochen, ihn
begrenzt und ermahnt, sich lustig über ihn gemacht und ihn verhöhnt.
Einmal hat er eine Schmerzsalbe gegen seine verspannte Muskulatur haben
wollen. Die hat man ihm verweigert mit der Bemerkung, er könne sich die
Salbe kaufen gehen, wenn er genug Punkte gesammelt habe, um wieder
gelockert zu werden (Blatt 18). Ein anderes Mal hat er sich eine Pizza
aufbacken wollen. Seine Pizza könne er haben, erklärte man ihm, den
Backofen könne er nicht benutzen, das sei eine erzieherische Maßnahme,
weil er oft nicht zum Frühstück erscheine (Blatt 15). Michael Perez warf
die Pizza gegen eine Wand, es wurde ein Aggressionsbogen ausgefüllt und
die Verordnung erlassen, dass er keine Lebensmittel mehr bekommt, die
einer weiteren Bearbeitung bedürfen (Blatt 13).
Am 21.02.2014 um 17:30 Uhr hatte Michael Perez eine Auseinandersetzung
mit einen Mitpatienten, dem wenige Tage zuvor ein Teil des Ohres
abgebissen worden war. Der Mitpatient wollte ihn zu einem Fluchtversuch
überreden, schilderte ihm seinen Plan, war aufgeregt und bedrängte ihn,
worauf Michael Perez ihn in den Schwitzkasten nahm. Michael Perez wurde
fixiert. Als man ihn überwältigte, schrie er nach seinen Eltern. Blatt
9: Herr Perez schrie dabei die ganze Zeit nach seinen Eltern und dass
die Polizisten nicht richtige Polizisten wären. Nein, man kann es sich
nicht vorstellen, dass die öffentliche Gewalt an solchen Verbrechen
beteiligt ist.



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