Eine Geschichte von vielen Opfern der Psychiatrie in Deutschland
Dienstag, 23. Februar 2016
Psychiatrie-Berichte von Strix, dem Käuzchen!
Teil 1: Psychiatrie-Berichte von Strix, dem
Käuzchen!
Ein im Maßregelvollzug Untergebrachter hat bei der Aufsichtsbehörde,
dem Sozialministerium, angefragt, ob er Aufzeichnungen aus
dem Klinikalltag veröffentlichen dürfe. Dafür brauche er
keinen Antrag stellen, war die Antwort, man wolle ihn aber
darauf hinweisen, dass die Klinik nach Paragraph sowieso
des Maßregelvollzugsgesetzes seinen Schriftverkehr
überwachen, beschränken oder anhalten könne. Diese
gesetzlichen Vorrausetzungen lauten, dass von dem
Schriftwechsel keine Gefährdung des Zwecks der
Unterbringung ausgehen darf, also der Besserung und Sicherung
des Untergebrachten, und keine Gefährdung der Sicherheit
und Ordnung derEinrichtung. Dem Untergerbachten selbst schadet es nicht, wenn er was aufschreibt,
und dass sich Menschen in oder vor der Einrichtung
zusammenrotten werden, nach dem Motto „Macht kaputt, was
euch kaputt macht“, ist höchst unwahrscheinlich. – Mal
ehrlich, wer nimmt denn schon Aufzeichnungen eines
psychisch kranken Straftäters ernst! -Trotzdem nennen wir seinen
Namen lieber nicht. Ist auch egal, wie er heißt und wo er
weggesperrt ist, es ist ohnehin ziemlich überall das
gleiche. Nennen wir ihn Strix, denn er ist klug, leise und
hat sein Augen überall. Und noch was ist er:
Gefährlich!!! Wie gefährlich er ist, das stellt die Frau Dr. nicht an seinem
Verhalten fest, nein, in den drei Jahren seiner
Unterbringung ist bisher nicht das Geringste passiert. Die
Gefährlichkeit erkennt die Frau Dr. am Medikamentenspiegel.
Was für ein Glück, dass es Tabletten gegen Gefährlichkeit
gibt! Es steht zwar nicht im Beipackzettel, dass sie
dagegen helfen, da steht sogar drin, dass sie häufig das
„Gefühl der Gereiztheit“ auslösen, aber hier nun der
Bericht:
Teil 2: Psychiatrie-Berichte von Strix,
dem Käuzchen!
Der Maßregelvollzug ist teuer, richtig teuer. An die 350 Euro pro
Person und Nacht und das über Jahre und Jahrzehnte. Aber,
das muss sein, da wollen wir uns nicht lumpen und uns
nichts nachsagen lassen. Sie wissen schon, wegen unserer
Vergangenheit. Für die Länder gibt es an den Kosten nur
eine Stelleschraube, das Taschengeld für die Untergebrachten. An die
30 Euro pro Monat: um sich mal was anderes zu Essen kaufen,
oder Briefpapier und Briefmarken, fürs Telefonieren, oder
für Tabak und Kaffee und dafür geht das meiste drauf. In
der Psychiatrie werden sogar Nichtraucher zu Rauchern, weil
Nikotin und Koffein die Wirkung der Medikamente abmildern.
Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass die
Länder das Taschengeld nach Haushaltslage festlegen können,
Bayern zum Beispiel hatte es um die Hälfte gekürzt (2 BvR
860/06 vom 24.07.2008). Im Maßregelvollzug sind Menschen untergebracht, die gegen Gesetze
verstoßen haben. Das Ziel der Maßregel ist ihre zukünftige
Straffreiheit. Sorgen müssen sie sich erstmal keine machen,
es wird alles angeliefert, was sie brauchen. Medikamente,
Lebensmittel, Putzmittel … in Hülle und Fülle, so viel,
dass gar nicht auffällt, wenn mal was davon verschwindet.
Strix ist nun aber doch etwas aufgefallen. Hat er Probleme
mit der Rechtschaffenheit? Scheint so. In Teil 1 hat man
ihm gesagt, er wäre längst draußen, wenn er keine
Rechtsmittel gegen die Unterbringung eingelegt hätte. Und
jetzt darf er keinen Kaffee mehr ausschenken. Hier ist sein
Bericht – aber ich sag’s gleich, der hat Wasser
aufgedreht:
Berichte von Strix, Teil
3 Im Fall Gustl Mollath hat man in
Deutschland den Kopf geschüttelt, über das Urteil, das ihn in die Psychiatrie gebracht
hat; über das Einweisungsgutachten hat man sich amüsiert. Auf
allen Ebenen der Juristerei und Medizin hat man monatelang
diskutiert und publiziert. Kaum interessiert hat man sich für das, was
Gustl Mollath über den Alltag in der Psychiatrie erzählt hat. Mit den
Schriftstücken hat man sich beschäftigt, die Wirklichkeit, die darauf
folgt, war nicht so wichtig. In einem Interview wurde er einmal
gefragt: „Haben sie es denn bei Mitgefangenen beobachtet, dass die diese
Situation nicht ausgehalten haben?“ Er antwortete: „Das gibt es freilich,
ja, und das ist dann natürlich die Steilvorlage für das System.“ Er
habe monatelang mit einem Patienten ein Zimmer geteilt, einmal sei dieser
verbal laut geworden. Das Personal habe sofort Alarm ausgelöst, der
Sicherheitsdienst sei gekommen, mit 16 Leuten habe man ihn in die
Isolationszelle verräumt. Die ISO, die Fixe, der Bunker, der KIR
(Kriseninterventionsraum), in jedem Bundesland wird der Raum anders genannt,
in dem die Patienten isoliert und /oder fixiert werden. Sogar in
Heimen gibt es solche Räumlichkeiten, da heißen sie Time-Out. Vor
Außenreizen will man die Menschen schützen, sagt man, indem man sie
isoliert. – Die halten aber auch wirklich gar nichts mehr aus! Durch den
Freiheitsentzug haben sie doch schon so gut wie keine Außenreize und
Anregungen mehr. Die Frage des Interviewers ist doch
naiv gewesen, laienhaft. Klar, wir Normalen hätten unsere liebe Not mit den
Bedingungen. Aber die Irren? Zumindest, sagt ein Psychiater, hätten die
Kranken in etwa die gleichen Ängste, wie die Gesunden. Sie hätten Angst vor
Ohnmacht, Isolation, Fesselung, Schmerzen, eben vor der Fixe, dem
Bunker, dem KIR: „Die Furcht ist der Zauberstab des
Irrenarztes.“ Nicht gefragt hat der Interviewer, was
Gustl Mollath mit „Steilvorlage“ meint. Wenn einer ausrasten würde, sei das eine
Steilvorlage für das System, hat er gesagt. Wie muss man das
verstehen, wie funktioniert denn das System? Doch wohl nicht so, dass mit einer
normalpsychologische Reaktion auf eine Situation, die dauerhaft nicht
auszuhalten ist, die Unterbringung begründet wird?
http://behoerdenstress.de/justiz-selbstlaeufer/ Strix ist
immer auf der Hut.
Hier ist sein Bericht:
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