Sonntag, 28. August 2016

Neuroleptika freiwilliger Versuch.

Ruhigstellung…
Selbstversuch 163- vorletzter, freiwilliger Versuch.
Es ist Abend und vor den kleinen Fenstern der Dachkammern des Hauses von Opa Herrmann in Kleinzerbst ist es Dunkel. Gleich hinter der dünnen Verkleidung des Daches plätschert der Regen und es gurgelt durch das Fallrohr, eine leicht mystische Stimmung mischt sich mit einem freudigen Gefühl innerer Zufriedenheit.

Vor mir steht das fertig gemalte Bild von Agilulf und Gurdulu, einer neu entwickelten Stilistik in Form und Farbe. Kubische Formen und geometrische Flächen in einer mathematischen Komposition haben sich endlich zu einem Bild zusammen gefügt. 3 Jahre benötigte ich für diese naive, strenge Komposition. Eine Naive, welche ich Manchesmal belächelt hatte und nun endlich verstand.
Ein ganzer Erfolg!

Neben mir auf meine kleinen Tischchen liegt eine Leponex, 50 Milligramm und ich gedenke zum 163 Mal einen Selbstversuch zu starten, Seit zwei Jahren probiere ich die verschiedensten Neuroleptika um deren Wirkung zu studieren.
Heute ist die Ruhigstellung in Erprobung.
Ich schlucke also die Pille und harre der Erwartungen und gedenke der Worte einer Psychiaterin Namens, Lantsch aus Lutherstadt Wittenberg.
Zitat: „Sehen sie, sehen sie, Herr Merbach, wie schön ruhig ihre Frau nun ist, wie sie schläft.“

Nach etwa 15 Minuten der Einnahme breitet sich ein inneres Unwohlsein aus, eine noch nie gespürte Beklemmung in der Magengegend, welche etwa der einer kommenden Gefahr entsprechen.
Ich werde innerlich unruhig und laufe in den zwei kleinen Zimmern hin und her. Die Unruhe steigert sich nach etwa 10 Minuten und es erscheinen Angstzustände.
Wovor habe ich Angst? Ich verstehe es nicht? Um meinen Brustkorb entsteht ein seltsames, dumpfes und dunkles Gefühl, die Angst steigert sich und ich bekomme leichte Gleichgewichtsstörungen.
Ein Schwindelgefühl mahnt mich hin zu setzen, ich glaube zu stürzen und lege mich vorsichtshalber in mein Bett.
Das Licht hatte ich ausgeschalten und wollte Schlafen, um mich zu erholen.
Schlafen konnte ich nicht, das Bett drehte sich, mir wurde speiübel und die Angst steigerte sich, potenzierte bis in eine Panik.
Ich stand auf, wankte wie ein Volltrunkener zum Lichtschalter, ich wollte Licht, denn in der Dunkelheit war es nun unheimlich und unbekannte Mächte schienen mich nieder zu zwingen, schoben mich in riesige Höhen oder stürzten mich in dumpfe, lichtlose Tiefen.
Mit zitternden Beinen erreichte ich den Lichtschalter, kalter Schweiß perlte an meiner Stirn und mit letzter Kraft spürte ich endlich den Lichtschalter.
Es war mir jedoch nicht möglich, diesen zu betätigen. Eine schreckliche Macht stieß mich in Angst und Panik, ich brach zusammen, ich glaubte zu sterben und verlor das Bewusstsein.

Etwas rüttelte mich, durch einen grauen, undurchsichtigen Schleier vernahm ich weit entfernt die Stimme meines Hausarztes, Dr. Weiße. „Karl-Heinz! Karl-Heinz! Was ist passiert? „
Zu meinem Schrecken war ich blind und versuchte in Panik zu antworten. Es ging nicht, meine Zunge schien gelähmt und die Atmung ging sehr schwer. Ich versuchte das Wort Leponex zu formulieren. Etwa 10 Mal stammelte ich das L, bevor die anderen Buchstaben stammelnd hervorkamen.
Weshalb der Arzt hier war und mitten in der Nacht, weshalb ich blind und unter Todesangst im Bett lag, war mir nicht recht bewusst, ich konnte mich nur erinnern, ich hatte eine Leponex eingenommen um zu erfahren, wie eine Ruhigstellung funktioniert.
Nachdem der Hausarzt begriffen hatte, was mit mir los war, beruhigte er meine Frau und meinte:
„Der Karl-Heinz schläft nun ein Weilchen und wird bald wieder wach werden, keine Angst Annettchen, er schläft nur“
Ich versank wieder in einen tödlichen Zustand, welchen die Psychiater, Richter, Betreuungsbehörden, Betreuer, Bekannte und Verwandte als Ruhigstellung bezeichnen, eine allgemeine, umgangsmäßige Bezeichnung für eine sadistische Folterung zum Zwecke der Disziplinierung.
Genau dies ist der wahre Hintergrund einer Behandlung mit Neuroleptika, Disziplinierung durch Folter und Gewalt, einer Gewalt, welche bestialischer als brutale Schläge für Unterordnung und Disziplinierung sorgen sollen.
Im Knastjargon nennt man diese Spritzen „BETONSPRITZEN“!
Meine Frau erlebte diese Ruhigstellungen hunderte Male und ist heute schwer geschädigt, kann weder ihren Stuhlgang kontrollieren, noch sich ernähren, ist ein schwerer Pflegefall und die Justiz
In Form einer Betreuungsrichterin meint:

„ Es gäbe A typische Neuroleptika, welche nicht so intensiv wirken würden:“
Mir ist jedoch bekannt, dass so mancher Patient daran verstorben ist.
Alle Befürworter derartiger Medikationen, sollten verpflichtet werden, derartige Medikamente ein zu nehmen. Sie sollten lernen, was sie empfehlen, verordnen oder richterlich beschließen.
Die Arroganz der Macht wird dies jedoch niemals tätigen, schließlich wollen sie weiterhin von Ruhigstellung und Humanität faseln, den Humanoiden heraushängen lassen und Mütterlich eine Behandlung empfehlen.

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